Mâcon, das Mâconnais und seine Weine

Erstellt von Dr. Karin Weber |

Das Mâconnais ist in erster Linie Ursprung besonders geschmeidiger Chardonnays mit einer eigenständigen Typizität. Doch was gibt es noch wissenwertes?

Mâcon und Mâcon-Villages

Das Mâconnais ist die südlichste Weinbaugegend des Burgunds. Neben Pinot noir und Gamay, der schon in das angrenzende Beaujolais hinüberleitet, wachsen hier hauptsächlich Chardonnays.
In den vergangenen Jahrzehnten dominierten vielerorts die Winzergenossenschaften und Handelshäuser, die in der Regel eher einfache Weine produzierten. Mengenmäßig waren sie stark: circa ein Viertel aller Burgunderweine stammen aus dem Mâconnais.
Nun beobachtet man vielerorts, das die nachfolgende Winzergeneration bei der Betriebsübernahme von den Großeltern oder Eltern, das Heft in die Hand nehmen: Sie machen sich von den Genossenschaften unabhängig, stellen ihren eigenen Wein her und vermarkten ihn direkt.
Viele sind inzwischen Mitglieder der 'Vignerons indépendants', einem Interessenverband kleiner Familienbetriebe. Die heutige Winzerschaft im Mâconnais ist jung und ambitioniert. Manchmal kann sie von uralten Weinbergen mit 80 Jahre alten Reben ihrer Großeltern profitieren. Beispiele der jungen Winzerszene sind die Domaine Geoffrey Chevalier sowie die Domaine des Crais mit Ben und Andrea Tissier.

Unterstützt werden die jungen Winzer, die zum Teil Quereinsteiger sind, durch jüngste Entwicklungen im Weinrecht, die den Weinen des Mâconnais zu größerer Aufmerksamkeit verhelfen. Neben der Bezeichnung Mâcon gibt es die Unterteilung in verschiedene Mâcon-Villages.
Während die Appellationen Pouilly-Fuissé und Mâcon seit den 30er Jahren, Saint-Véran seit den 70er Jahren existieren, wurden einzelne Dorf-Appellationen wie Viré-Clessé erst 1998 eingeführt; ganz neu ist der erste 1er cru der Gegend, der Pouilly-Fuissé 1er cru, den es seit 2020 gibt.
Beginnend mit dem heißen Jahr 2003 kamen immer wieder warme Sommer vor. Sie verhelfen dieser Weingegend zu wunderbar vollreifem, gesundem Traubengut. Dies drückt sich in der zunehmenden Komplexität der Mâcon-Weine der letzten 10-20 Jahre nur zu deutlich aus.
Dieser Qualitätssteigerung werden die Appellationen gerecht, die sich auf die unterschiedlichen Terroirs des Mâconnais beziehen. Nach der Geologie unterscheiden sich die Rebberge nach Fluss-Sedimenten, Fossilienlehm, kiesigem Lehm oder vulkanisch durchsetztem Lehm usw..

Geschichte

Obwohl es schon früher Weinbau in dieser Gegend gab, sind wohl die Mönche der nahen Abtei Cluny wegweisend gewesen. Cluny, das heute nur noch in Ruinen besteht, war im Mittelalter eines der einflussreichsten geistlichen Zentren des Abendlandes und zählte bis zu 400 Mönche. Im 11. und 12. Jahrhundert kam es im Umkreis der Abtei großflächig zur Anlage von Weinbergen und zur qualitätvollen Vinifizierung.
Im 17. Jahrhundert wurde der Mâcon-Wein zum Wein der Könige von Frankreich: Winzer Claude Brosse gelang es, König Ludwig den XIV. auf seine Weine aufmerksam zu machen; seitdem lieferte er seinen Mâcon-Wein nach Versailles und begründete auf diese Weise dessen Renommé.

 

Landschaft

Das Mâconnais ist naturräumlich die südliche Fortsetzung der Côte d'Or: parallel zum nord-süd-verlaufenden, weiten Flusstal der Saône zieht sich die Hangkante des Jura bis zum Beaujolais. Sie wird immer wieder aufgelockert durch Seitentälchen und durch Erosion herauspräparierte Kalkfelskuppen, sowie im Süden und Südwesten durch Granitintrusionen.
Die Landschaft bei Pouilly wird von den emblematischen Zwillingsfelsen, dem Roche Solutré und dem Roche de Vergisson, geprägt. Beide sind aus Jurakalken aufgebaut und sind durch ihre Steilwände sehr charakteristisch. Alphonse de Lamartine (1790-1869), französischer Dichter der Romantik, beschreibt die Landschaft seiner Kindheit: 'Zwei versteinerte Schiffe, die aus einem Meer von Reben herausragen: der Fels von Solutré und seine Schwester die Felskuppe von Vergisson.'
 

Roche Solutré

Der Felsen von Solutré ist ein weit sichtbarer Kalkfelsen, der an drei Seiten mit steilen Wänden abgegrenzt ist. Seine Hochfläche wird von einzigartiger Flora und Fauna eines Kalkmagerrasens eingenommen.
Unterhalb der Felswände befindet sich eine große archäologische Fundstätte mit zahlreichen Stein- und Knochenresten aus dem Neolithikum. Die Ausgrabungen sind für die Forschung derart wichtig, dass nach ihnen diese prähistorische Kultur in Frankreich und der iberischen Halbinsel 'Solutréen' (21000 – 16000 v. Chr.) benannt wurde. Zeitlich betrifft sie das Maximum der letzten Vereisung Mitteleuropas, der Würm-Eiszeit.

Pouilly-Fuissé

Rund um den Roche Solutré liegen die Weinberge des Pouilly-Fuissé, der prestigeträchtigsten Appellation des Mâconnais. International geschätzt wird die Komplexität und Lebendigkeit dieser Chardonnays. Typisch für dieses Terroir sind eine intensiv-saftige Aromatik und eine einzigartig geschmeidige Würze. Neben floralen Noten wie Jasmin und Linde sind Honig-, Haselnuss- und leichte Röstaromen harmonisch eingebunden.

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