Cool-Climate-Wein
Weinbau ist in Europa im allgemeinen innerhalb des 30. und 50. nördlichen Breitengrads verbreitet.
Als cool-climate-Weine bezeichnet man Weine vom nördlichen Rand dieses Gebiets: Chablis im nördlichen Burgund liegt zum Beispiel bei rund 48° n. Breite. Auch das Loire-Tal gilt als cool-climate-Gegend, hier wirkt sich der leichte maritime Einfluss zusätzlich abkühlend auf die Wärmemenge aus.
Wein und Klima heute
Gerade in den letzten zwei Jahrzehnten hat dieses Thema an Bedeutung gewonnen. In manchen wärmeverwöhnten Weinbaugegenden – besonders in den Tälern – lagen die Sommertemperaturen übermäßig hoch und stellten die Winzer vor neue Herausforderungen. Bei über 35° Celsius stellen Weinblätter ihre Photosynthese ein und die Reifung der Trauben stagniert. Trockenstress setzt der Rebe zusätzlich zu. Bei starker Sonneneinstrahlung bekommen Blätter und Trauben einen 'Sonnenbrand' und Aromastoffe aus den Beerenhäuten gehen verloren.
Überreife und hohe Zuckerwerte im Zusammenhang mit niedriger Säure in den Traubenbeeren lassen Weine flach und marmeladig werden. Aus diesen Erfahrungen heraus versucht man, Weinbaugebiete in höhere oder nördlichere Lagen auszudehnen.
Weinrebe und Witterung im 'cool climate'
Im Frühjahr besteht die Gefahr, dass Fröste den Austrieb und die Blüte schädigen und somit die Erntemenge stark einschränken. Das Jahr 2024 war mit Spätfrost und Hagel für Chablis katastrophal, die Erntemenge lag im Durchschnitt bei nur 50% der Vorjahresmenge.
Die Witterung in cool-climate-Gebieten ist im Vegetationsablauf meist gemäßigt, extrem große Hitze und damit verbundener Trockenstress kommen nicht vor. Der stetige Wechsel zwischen warmen Sonnentagen und deutlich kühlen Nächten führt dazu, dass sich in den Trauben neben der sich entwickelnden Fruchtsüße auch noch Säure erhält. Im Herbst fördern dann milde Tage die optimale Reife, bis dass an einem späten Lesezeitpunkt aromatische, vollreife Trauben geerntet werden können.
Auf der Suche nach aromatischen Weinen
Weine aus den cool-climate-Gebieten weisen eine große Finesse aus. Die Fruchtaromen sind ausgeprägt und vielschichtig. Es erhält sich eine feine Säure, die sich ausgleichend zur Frucht auswirkt. Im besten Fall balancieren sich Frucht und Säure perfekt aus und präsentieren eine frische, feinstrukturierte Aromatik.
